Home » Konzepte » Machen Smartphones wirklich einsam?

image_pdfimage_print

Vielen Dank für diese Diskussion, die wir heute im Seminar hatten. Wie der Zufall so will, stehen im aktuellen Wired-Magazin (lassen Sie sich durch das Cover nicht von einem eventuellen Kauf abhalten) zwei Beiträge, die zu dem Thema passen.

Hakan Tanriverdi schreibt in seinem Beitrag Rock ‘n’ LOL (Wired, 06.2015, S. 38):

Im Prinzip steht hinter jeder Art von Technologie der Wunsch des Menschen, sich der Welt zu bemächtigen. Was in vielen Fällen heißt: dauerhafte Konversation zu ermöglichen. Der vorläufige Höhepunkt der Entwicklung ist das Smartphone, eine Menschmaschine insofern, als sie uns das Potenzial gibt, unser eigenes Menschsein jederzeit festzuhalten, zu teilen. Und damit das Gespräch aufrechtzuerhalten.

Das Übermaß an Bildern, die wir von uns und unseren Freunden generieren, wirkt auf den ersten Blick überwältigend – vielleicht sogar redundant. Aber was für ein Luxus sie sind! Anstatt gestellte Familienfotos zu sammeln, ein neues pro Jahr, wie wir es von unseren Eltern kennen, gibt es nun ganze Streams …

Der Punkt ist also, es gibt mehr Kommunikation. Mehr Sprachgebrauch – schriftsprachlich, mündlich, ikonografisch (mittels Emojis) und visuell (Fotos und Videos).

Diese Entwicklung hat aber auch eine andere Seite, die im Aufmacher des Texts Ich. Like. Dich. (Wired, 06.2015, S. 64) thematisiert wird:

Ist das Internet gut für dein Sexleben? Nein, sagt Cambridge-Statistik-Professor David Spiegelhalter. Kürzlich veröffentlichte er Ergebnisse einer Studie,die besagen, dass heterosexuelle Paare in Großbritannien im Durchschnitt dreimal im Monat miteinander schlafen. Weniger als viermal (im Jahr 2000), noch weniger als fünfmal (1990) – das, schließt Spiegelhalter, kann eigentlich nur an den Smartphones liegen. An der mobilen Kommunikationshektik, den Aufmerksamkeitsspannen, die längst zu kurz sind für ein vernünftiges Vorspiel.

(Link zur Studie von MD)

Was halten Sie von solchen Rückschlüssen? Vor allem die Begründungen im letzten Satz – halten Sie diese für stichhaltig?

Einige werden sich sicher fragen, warum dies für den Fremdsprachenunterricht relevant ist. Was denken Sie?

Martin Döpel
Lehrbeauftragter an der FSU Jena. Vater einer Tochter und Promovend. Ich koche gern und fahre gern Rad.

Hinterlasse eine Antwort