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Zunächst wird es in diesem Blogpost um Podcasts im deutschsprachigen Raum gehen, dann erläutere ich, wie Sie geeignete Podcastangebote finden und didaktisieren.

Podcasts im deutschsprachigen Raum

Während Podcasts in den USA eine gewisse Popularität besitzen, sind sie im Deutschland eher ein Randphänomen. In den USA gibt es auch eine Reihe von Privatpersonen, die selbst einen Podcast betreiben. Deutsche Podcasts sind aber in der Regel Angebote von Radio- bzw. Fernsehsendern, die auf diese Art ihre Inhalte im Internet zum Herunterladen zur Verfügung stellen. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Radioanstalten bieten viele Inhalte als Podcast an.

Podcasts finden

Deswegen sind die Webseiten der Radiosender auch die erste Adresse, bei der man Podcasts erhalten kann. Das Spektrum reicht hierbei von Regionalgeschichte Sachsen-Anhalts bis zu kuriosen wissenschaftlichen Studien, die von Dr. Mark Benecke präsentiert werden.

Generell lohnt es sich, in den einschlägigen deutschen Podcastportalen zu recherchieren:

Des Weiteren können Sie Podcasts auch einfach im iTunes Store abonniert werden. Das empfehle ich aber nur denjenigen, die einen iPod haben und darüber Podcasts konsumieren möchten.

Linkliste DaF-Podcasts

Es gibt auch eine Reihe von Podcasts, die speziell für DaF-Lernende produziert werden bzw. für sie besonders geeignet sind:

Podcasts didaktisieren

Haben Sie nun eine Episode gefunden, die Sie im Unterricht nutzen wollen, müssen Sie den Hörtext für Ihre Lernenden aufbereiten. Damit ist nicht gemeint, dass Sie die Audiodatei bearbeiten müssen, aber gelegentlich kann auch das ratsam sein.

Leider fehlt uns im Seminar die Zeit, genauer auf die Fertigkeiten einzugehen. Daher biete ich Ihnen hier einen allenfalls einen kursorischen Überblick.

hörverstehenHören verstehen

Hörverstehen ist ein psychologisch hochkomplexer Prozess. Die Besonderheit von Hörtexten ist deren Flüchtigkeit, während man bei Lesetexten immer wieder zur Vergewisserung im Text zurück gesprungen werden kann, ist dies beim Hören nicht möglich. Das hat auch Auswirkungen auf die Aufgabengestaltung, was ich jedoch später vertiefen möchte.

Hören als “aktiver Prozess”

Es scheint logisch zu sein, dass Hören eine passive Tätigkeit ist, schließlich “konsumiert man nur”. Dem ist aber nicht so, alle rezeptiven Fertigkeiten (Hören und Lesen) psychologisch hochaktive Prozesse sind. Lassen Sie mich das anhand dieses kurzen Lesetextes illustrieren:

Beispiel für Lesen als aktiven Prozess (Quelle)

Beispiel für Lesen als aktiven Prozess (Quelle)

Sie können diesen Text relativ flüssig lesen (hoffe ich zumindest), weil Rezeption eben ein aktiver Prozess ist. Das Gehirn nimmt nicht nur einfach die Information auf, sondern benutzt schon vorhandenes Wissen, um zu rekonstruieren und Inhalte zu antizipieren.

Bottom-Up und Top-Down-Verarbeitung

In diesem Zusammenhang spricht man oft über so genannte Bottom-Up- und Top-Down-Verarbeitung. Hierbei ist die Richtung des Informationsflusses gemeint:

Bei der Bottom-Up-Verarbeitung wird die Textinformation aufgenommen: D.h., die Signale werden dekodiert.

Bei der Top-Down-Verarbeitung werden (oft auf Grundlage der Signale) Hypothesen gebildet, wie die Nachricht weiter gehen könnte. Und natürlich findet eine Rekonstruktion der Nachricht statt.

Wie bei einem Ping-Pong-Spiel wechseln sich die Prozesse ab, um die Nachricht zu verstehen. Deshalb ist es auch möglich einen Text wie im obigen Beispiel zu verstehen bzw. auch Hörtexte trotz Störgeräusche zu verstehen (denken Sie an ein Gespräch, das Sie an einer stark befahrenen Straße geführt haben und dem sie trotz des Verkehrs folgen konnten).

Mehr zu dem Thema können Sie hier und hier lesen.

Hörstile – 2, 3 oder 4: Wie viele hätten Sie denn gerne?

In der Literatur finden sich unterschiedliche Angaben zu den Hörstilen. Dahlhaus (1994) unterscheidet in extensives und intensives Hören. Andere (z.B. Paschke, 2000 oder diese Übersicht) unterscheiden in drei Stile: globalesselektives und detailliertes Hören. Bei Kanz (2007) finden sich hingegen (analog zum Leseverstehen) neben diesen drei Stilen noch ein vierter: das selegierende Hören.

Die Unterscheidung in drei/vier Hörstile lehnt sich stark an die Modelle des Leseverstehens an, sind m.E. für das Hörverstehen aber wenig zielführend. Im Weiteren gehe ich daher von Dalhaus’ Unterscheidung aus.

Beim extensiven Hören ist die Gesamtaussage eines Textes wichtig (vgl. Dahlhaus, 1994, S. 79). Dieser Hörstil wird z.B. bei Hörbüchern, Hörspielen oder auch den Nachrichten angewendet.

Beim intensiven Hören hingegen sind Detailinformationen besonders wichtig (vgl. ebd.). Dieser Stil wird daher z.B. bei Durchsagen am Bahngleis oder beim Notieren von Daten und Telefonnummern angewendet.

Welchen Stil die Lernenden gerade anwenden, müssen diese nicht unbedingt wissen, jedoch sind die Stile relevant für die Erstellung von Arbeitsaufträgen und die Abfolge der Übungen.

Mit Hörtexten arbeiten

Auswahlkriterien für Hörtexte

Ein Hörtext, der Ihnen gefällt, muss nicht zwingend geeignet für Ihren Unterricht sein. Grundsätzlich sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Passt der Hörtext thematisch in meinen Kurs/in meine Stunde?
  • Ist der Wortschatz der Lernenden groß genug, um den Text zu verstehen und die Aufgaben zu lösen? Das bedeutet nicht, dass die Lernenden alle Wörter kennen müssen, aber sie benötigen ein gewisses Reservoir, um fehlende Wörter aus dem Kontext herleiten zu können, als Richtschnur kann hierbei das Verhältnis 90-95/10-5 gelten.
  • Ist der Text auch für die Lernenden thematisch interessant?
  • Wie lang ist der Hörtext? Das Hören eines Textes in der Fremdsprache ist sehr anstrengend. Daher sollte der Text nicht zu lang sein. Generell sollte man vorsichtig sein, wenn fünf Minuten überschritten werden. Dies hängt jedoch von Niveaustufe und Textart zusammen.

Für Hörtexte gelten nach Solmecke (2000, zit. in Kofler, 2012, S. 44) auch eine Reihe von Variablen akustischer Art, welche einen Hörtext einfach bzw. schwer gestalten:

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Akuistische Parameter der Schwierigkeit von Hörtexten nach Solmecke (2000), zit. in Kofler (2012, S. 44). Klicken Sie auf das Bild, um eine vergrößerte Ansicht zu öffnen.

Bei Paschke (2000) findet sich in Abschnitt 2.3 (S. 39-45) eine Übersicht über die üblichen Variablen der Textschwierigkeit.

Übungsgestaltung

Hörtexte sollten i.d.R. mehrfach präsentiert werden. Generell empfiehlt es sich, mit Aufgabenstellungen zum Globalverständnis (extensives Hören) zu beginnen. Typische Arbeitsanweisungen in diesem Zusammenhang wären:

  • Das Zuordnen von Überschriften zu einem Text (wobei verschiedene vorgegeben werden)
  • Geben einer kurzen Zusammenfassung

Erst danach sollte man Fragen zum Detailverständnis (intensives Hören) stellen:

  • Multiple-choice-Aufgaben zu Details
  • Richtig/falsch-Aufgaben zu Details

Fragt man nach Details, sollte die Reihenfolge der Frageitems der Reihenfolge im Hörtext entsprechen. Konkret bedeutet das, man sollte die einzelnen Fakten in der Reihenfolge 2 und nicht in der Reihenfolge 1 abfragen:

Abfolgen

Folgen Sie beim Abfragen nach Fakten in einer Übung der Sequenz im Hörtext (konkret: Folgen Sie der “Abfolge in der Übung 2″).

Übungsarten

Es gibt eine Vielzahl verschiedener so genannter Aufgabentypen. Eine Übersicht finden Sie hier. Paschke (2000) beschäftigt sich mit der Thematik in Abschnitt 3.3.3 (S. 85-93).

Von der Übung zur Aufgabe

Sprache hat im Alltag eine ganz bestimmte Funktion und ist eingebunden in Handlungen. Deshalb sollten auch die Aufgaben im Fremdsprachenunterricht zu authentischen Handlungen führen (Stichwort hier ist Task-based-Learning).

Deshalb sollten Hörübungen …

  • authentisch sein. Das bedeutet, dass es Übungen sein sollten, die auch im wahren Leben relevant sind.
  • eine Handlung zur Folge haben. Diese Handlungen können sprachlicher Natur sein (z.B. Eintragen von Terminen in einen Kalender) oder nichtsprachlicher Natur (z.B. das Nachkochen eines Gerichtes entsprechend der Anweisungen) sein.

Binden Sie also  die Hörübungen in ein solches Handlungsszenario ein, damit aus einer Übung eine Aufgabe im Sinne des handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts wird.

Zusammenfassung

Alle relevanten Punkte fasst die Präsentation von Kanz (2007) gut zusammen, auf die Sie hier als PDF-Ausdruck zugreifen können (Download-Link unter der eingebetteten Datei).

Download (PDF, 98KB)

Martin Döpel
Lehrbeauftragter an der FSU Jena. Vater einer Tochter und Promovend. Ich koche gern und fahre gern Rad.

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